Zeit für Zeit ...
Ringvorlesung WS 2018/19

Zeit für Zeit ...
Zeit für Zeit

Interdisziplinäre Ansätze
zum Umgang mit der Zeit

Nächster Vortrag
Do, 13.12.2018 / 14.15 - 15.45 Uhr / Raum S 304

Doing Time – Über Zeiterleben und Zeithandeln in der Gegenwartsgesellschaft
Prof. Dr. Nadine Schöneck-Voß
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen, Lehrstuhl für Soziologie und empirische Sozialforschung

Charakteristisch für unsere Gegenwartsgesellschaft sind das Erleben von Beschleunigung und das Gefühl des Getriebenseins – trotz statistisch betrachtet zunehmender Lebenszeit. Zeitstress ist ein sehr verbreitetes Phänomen. Warum ist das so? Und warum leiden Frauen, die im Durchschnitt länger leben als Männer, oftmals ganz besonders unter Zeitstress? Der Vortrag beleuchtet – theoretisch wie auch empirisch – diese und weitere ähnlich gelagerte Fragen.

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Wintersemester 2018/19 - "Zeit für Zeit ..."

Das Thema

Zeit für Zeit ...

Zeit für Zeit
... Interdisziplinäre Ansätze zum Umgang mit der Zeit

Zeiterleben, Zeitgefühl, Zeitwahrnehmung, Zeitvorstellung, Zeitbewusstsein, Zeitrythmen, Zeitdruck, Zeitlosigkeit, Augenblick, Ewigkeit - wenn wir Überlegungen zum Thema Zeit anstellen, dann fallen uns endlos viele Begriffe dazu ein.

In den wissenschaftlichen Disziplinen ist die Zeit ein wichtiges Thema. Sie ist Gegenstand der Physik, der Biologie, der Philosophie und Theologie, der Soziologie, der Psychologie, der Gerontologie, der Literatur- und der Geschichtswissenschaft. Während die Philosophen nach dem Wesen der Zeit fragen, untersuchen die Psychologen die Zeitwahrnehmung und das Zeitgefühl. Andere Wissenschaften, wie die Biologie und die Physik sehen Zeit als messbare Größe, die Sprachwissenschaftler wenden Zeit als grammatische Form und die Musikwissenschaftler als taktgebendes Element an.

Dem Zeitbegriff wohnen verschiedene Zeitperspektiven inne, die der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Mit der zunehmenden Lebenserwartung in unserer Gesellschaft gewinnen wir ein Mehr an Zeit und so bleibt für uns die Frage gegenwärtig, wie wir dieses Mehr an Leben füllen und gestalten können. Bleibt noch Zeit genug oder fehlt es uns an Zeit? Wir können der Zeit einfach nicht entrinnen, Zeit ist unser kostbarstes Gut. Zeit ist unumkehrbar. In dieser Vortragsreihe wollen wir dem Phänomen der Zeit auf den Grund gehen und uns mit den Thesen der unterschiedlichen Wissenschaften auseinandersetzen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich Zeit nehmen für die Zeit!

 

Wann, Wo & Wie

Zeit, Ort, Eintrittspreise

Wann:
Donnerstags, 14.15 – 15.45 Uhr
Start: 18.10.2018

Wo:
Hochschule Niederrhein
Fachbereich Sozialwesen
41065 Mönchengladbach
Webschulstr. 39 (Ecke Richard-Wagner-Str./Webschulstr.)
Gebäude S, Raum S 304

Öffentliche Veranstaltung / Kosten:
Alle GasthörerInnen, StudentInnen, MitarbeiterInnen und ProfessorInnen der Hochschule Niederrhein sind ebenso herzlich eingeladen wie die interessierte Öffentlichkeit. Für eingeschriebene GasthörerInnen und StudentInnen sowie Angehörige der Hochschule ist die Ringvorlesung kostenfrei.

Eintrittspreise bei Überweisung
Einzelvortrag: 5,00 Euro
Alle Vorträge als Kombi-Karte: 30,00 Euro

Überweisung
Der Beitrag für eine Eintrittskarte zum jeweiligen Vortrag oder für die gesamte Vortragsreihe muss mindestens drei Tage vor Veranstaltungsbeginn auf folgendes Konto überwiesen werden:

Kontoinhaber
Hochschule Niederrhein

Bankverbindung
Stadtsparkasse Mönchengladbach
IBAN: DE55 3105 0000 0003 4254 51
BIC: MGLSDE33XXX
Verwendungszweck
-    EE06020202 (unbedingt an­geben)
-    Name, Vorname
-    entweder Name des vortragenden Dozenten/der Dozentin des Einzelvortrags mit Vortragsdatum oder Ring-Kombikarte MG.

Sie brauchen beim Einlass dann nur noch Ihren Namen zu nennen.

Eintrittspreise bei Zahlung am Kassenautomaten
Einzelvortrag: 6,00 Euro
Alle Vorträge als Kombi-Karte: 31,00 Euro

Standort Kassenautomat MG
Infopoint / Webschulstr. 41 – 43

Bitte geben Sie beim Einlass das Duplikat Ihrer Quittung ab.

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Das Programm

11 Vorträge

Do, 18.10.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Live Fast, Die Young?
Zeitkultur von den Anfängen bis zur Gegenwart

Prof. em. Dr. Hermann Strasser PhD
Universität Duisburg-Essen, Institut für Soziologie
Dipl.-Soz. Wiss. Martina Geisler
Geschäftsführerin von ProSeCo, Professionelle Seminare und Coaching, Beraterin für Resilienz, Burnout und Meditation

Die Erwartungen und Anforderungen an uns Menschen steigen massiv an. Nach oben gibt es keine Grenze, kein Genug! Das Leben auf der Überholspur fordert aber seinen Tribut. Stress nimmt zu, Belastungsreaktionen steigen. Die Bedeutung unserer Lebenszeit wird uns oft erst bewusst, wenn sie gefährdet scheint. Haben wir uns selbst eine Welt geschaffen, für die wir nicht geschaffen sind? Das individuelle Zeiterleben ist eingebettet in die Kultur, die Lebensweise, die uns umgibt.
Eine Zeit-Reise von den Anfängen bis zur Gegenwart zeigt auf, wie unterschiedlich Zeit erlebt werden kann, und wie wichtig es ist, Zeitformen zu etablieren, die keine Beschleunigung zulassen.

 

Do, 25.10.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Musik und Zeit

Prof. Dr. Ulrich D. Einbrodt
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen
Lehrstuhl für Kulturarbeit mit Schwerpunkt Musik

Die Zeit vergeht, die Musik aber bleibt. Wie geschieht das? Ohne Zeit kann die Musik aber auch nicht sein. Ein Musikstück beginnt, baut sich auf, umschließt Höhepunkte, kommt zu einem Schluss. Es dauert wenige Sekunden, meist Minuten, Stunden, oder gar viele Jahre. Beide gehören zusammen. Untrennbar. Oder doch nicht? Prof. Einbrodt lädt Sie ein zu einer musikalischen Zeitreise und einer zeitlichen Musikreise.

 

Do, 08.11.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Altern und Zeit

Prof. Dr. Claudia Kaiser
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen
Lehrstuhl für Gerontologie

Das Altern ist als ein dynamischer Prozess untrennbar mit der Zeit verbunden. Jede Biografie, jeder Lebenslauf spannt den Bogen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit steigender Lebenserwartung geht auch ein Anstieg der individuellen Lebenszeit einher. Aber geben uns mehr Jahre automatisch auch mehr Zeit? Was bedeutet es, wenn mit dem Übergang in den Ruhestand mehr „freie Zeit“ zur Verfügung steht? Wie wird diese gewonnene Zeit verwendet? Stimmt es, dass die Uhren im Alter anders, gar schneller ticken? Oder ist nur die Wahrnehmung verändert? Welchen Einfluss hat die Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens hierauf? Diesen und weiteren Fragen möchte der Vortrag nachgehen.

 

Do, 15.11.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr /// S 304
Erzählte Zeit – Zeit der Geschichte(n)

Prof. Dr. Andris Breitling
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen
Lehrstuhl für Ethik, Sozialphilosophie, Kulturtheorie

Die Zeit begegnet uns einerseits als „Weltzeit“, das heißt als die Zeit objektiv beobachtbarer bzw. messbarer Abläufe, andererseits als die subjektiv erlebte „Zeit der Seele“, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinandergreifen. Verbunden erscheinen beide in der historischen Zeit als der zugleich erlebten und datierbaren Zeit menschlichen Handelns. Diese historische Zeit, die Zeit der Geschichte lässt sich nach der These des französischen Philosophen Paul Ricœur nur auf dem Umweg über eine Theorie der Erzählung, der Darstellung von Handlungen und Geschehnissen in Geschichten fassen. Diese These wird im Vortrag erläutert und diskutiert. Dabei geht es zum einen um die Gestaltung zeitlicher Abläufe in der Geschichtsschreibung, zum anderen um Phantasievariationen der menschlichen Zeiterfahrung in der fiktionalen Literatur.

 

Do, 22.11.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Kinder der Zeit: die 68er Generation wird 50

Prof. em. Dr. Klaus Hansen
Sozialwissenschaftler und Schriftsteller
Ehem. Inhaber des Lehrstuhls für Politische Wissenschaft und Politische Bildung am Fachbereich Sozial­wesen der Hochschule Niederrhein

Es wird behauptet, die nun bald 70jährige Bundesrepublik Deutschland habe zwei „politische Generationen“ hervorgebracht. Aus den 1945 sechzehnjährigen „Flakhelfern“ sei die „skeptische Generation“ geworden. Aus den 1968 achtzehnjährigen Studentinnen und Studenten sei die „Achtundsechziger-Generation“
geworden. Unsere Hauptfrage wird sein: Hat 1968 tatsächlich eine neue Generation hervorgebracht? Heute, 50 Jahre danach, sollte diese Frage beantwortbar sein. Politische Generationen sind immer erst im Nachhinein erkennbar. Wenn wir die Frage bejahen können, dann müssen sich auch generationstypische Dispositionen feststellen lassen, die auf eine große Anzahl von Bundesbürgern zutreffen. Darum werden wir nach Denk-, Reaktions- und Verhaltensmustern suchen, die den Typus des Achtundsechzigers kennzeichnen. Alle Anwesenden können dann bei sich selbst prüfen, inwieweit das „68er-Gen“ zu ihrer Persönlichkeit gehört – oder nicht.

 

Do, 29.11.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr /// S 304
Wie lange dauert eine Sekunde?

Prof. Dr. Walter Ebner
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Elektrotechnik und Informatik
Lehrstuhl für Physik und Informatik

Die Zeit als Größe der Physik ist messbar, im Laufe der Geschichte mit immer größerer Genauigkeit. Die „Dauer“ einer Sekunde muss deshalb immer wieder revidiert werden.
Bei genauerem Hinsehen unterliegt aber außerdem der Ablauf der Zeit selber den unterschiedlichsten Bedingungen und ist auch in der Physik keineswegs absolut.
Dazu kommen Fragen: Wie kommt es, dass die Zeit immer zunimmt, dass sie also eine bestimmte Richtung hat? Und wann hat die Zeit begonnen?

 

Do, 06.12.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Im Herzen der Zeit – Ewigkeit im Augenblick

Dr. theol. Wolfgang Siepen
Theologe, Psychotherapeut, Meditationslehrer

Ein herausragendes Charakteristikum des Menschen besteht darin, ein Verhältnis zu „Zeit“ zu haben. Dieses wird immer wieder erfahrbar in den Empfindungen, dass die uns gegebene Zeit dahinrast und der Mensch gleichzeitig nach Entschleunigung und dem Festhalten der Zeit sucht.
Ausgespannt zwischen der Bewusstwerdung des Augenblicks und der Ahnung einer dem Menschen innewohnenden Ewigkeit ereignet sich das ‚Sein in Zeit‘ als eine grandiose Erfahrung, in die der Mensch sich selbst und das Transzendente als Gewahrwerden des Eintauchens in das Fließen der Zeit realisieren kann. Eine derartige Tiefenerfahrung lässt sich natürlich nur im achtsamen Umgang mit sich selbst und der eigenen Zeit spüren.  

 

Do, 13.12.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr /// S 304
Doing Time – Über Zeiterleben und Zeithandeln in der Gegenwartsgesellschaft

Prof. Dr. Nadine Schöneck-Voß
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen
Lehrstuhl für Soziologie und empirische Sozialforschung

Charakteristisch für unsere Gegenwartsgesellschaft sind das Erleben von Beschleunigung und das Gefühl des Getriebenseins – trotz statistisch betrachtet zunehmender Lebenszeit. Zeitstress ist ein sehr verbreitetes Phänomen. Warum ist das so? Und warum leiden Frauen, die im Durchschnitt länger leben als Männer, oftmals ganz besonders unter Zeitstress? Der Vortrag beleuchtet – theoretisch wie auch empirisch – diese und weitere ähnlich gelagerte Fragen.

 

Do, 03.01.2019 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Leben auf Zeit – Alltagszeit und Lebenszeit im Umgang mit chronischer Krankheit

Dr. Iris Schubert
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen
Lehrkraft für besondere Aufgaben, Fachgebiet: Klinische Sozialarbeit

Chronische Krankheit verändert … einfach alles! Zeit, Identität, Beziehungsstrukturen. Die Organisation der Zeit wird zum primären Anliegen. Der Umgang mit chronischer Krankheit fordert vom Betroffenen-System (dem chronisch kranken Menschen, den Angehörigen, den Behandelnden) Zeit – und lenkt den Fokus auf die Unterscheidung in Alltagszeit und Lebenszeit. Zentrale Bewältigungsaufgabe im Rahmen der Alltagszeit ist die permanente Kontrolle der latent drohenden Krise: zur Vorbeugung / Verhinderung einer medizinischen Krise, zur Förderung einer schonenden Lebensweise. Gerät die Kontrolle aus der Balance, überschreitet die akute Krise den alltäglichen Rahmen mit Folgen für die Lebenszeit. Auch müssen chronisch Kranke ihre Identität und Biografie sowie ihre Rolle und Position innerhalb bestehender Beziehungen neu entwerfen.

 

Do, 10.01.2019 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Zeit aus neurologischer Sicht: Schlaf und Stress

Prof. Dr. med. Carl-Albrecht Haensch
Chefarzt, Facharzt für Neurologie, Schlafmedizin, Spezielle Schmerztherapie, Klinik für Neurologie, Krankenhaus St. Franziskus in Mönchengladbach

Der Schlaf, das autonome Nervensystem (ANS) und die Zeit sind funktionell und anatomisch eng verbunden. Der Schlaf geht mit ausgeprägten Veränderungen der Funktionen des ANS wie z.B. Stress einher. Schlaf beeinflusst die autonomen Funktionen von Atmung und Kreislauf direkt und moduliert ihre Wechselwirkung. Für den klinisch tätigen Neurologen gewinnen Störungen des autonomen Nervensystems und der Schlafregulation eine zunehmende Bedeutung, so findet die REM-Schlafverhaltens­störung als frühes Zeichen einer späteren Parkinson-Erkrankung breites Interesse. Beim Menschen steuert die innere Uhr unsere Schlafzeiten und stellt sicher, dass wir nicht nur an den äußeren Hell-Dunkel-Wechsel angepasst bleiben, sondern auch dass alle inneren biologischen Prozesse miteinander im Takt bleiben. Der Schlaf-Wach-Rhythmus steht jedoch bei vielen Menschen nicht in Übereinstimmung mit den Aktivitätsphasen unserer Gesellschaft.

 

Do, 17.01.2019 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Zeitloses in wandelnden Zeiten am Beispiel Leibnizscher Überlegungen zur Wiedervereinigung der Konfessionen

Prof. em. Dr. Wilhelm Klüsche
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen
Ehem. Inhaber des Lehrstuhls für klinische Psychologie am Fachbereich Sozial­wesen der Hochschule Niederrhein

Sucht man trotz wandelnder Umstände nach Unveränderlichem in der menschliche Existenz, so tangiert man schnell das Feld des Religiösen, denn dort wird man konfrontiert u.a. mit  Wahrheit und deren Deutungsmacht, mit Toleranz unterschiedlicher Ansichten, mit Wegen zur Verständigung, mit Ausdrucksformen transzendentaler Bedürfnisse. An den Ansätzen Leibniz zur Verständigung zwischen den Konfessionen lassen sich solche zeitlosen Urfragen herausarbeiten.